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Walter-Eckold-Straße 1 - Das ECKOLD-Betriebsgelände erhält eine Straßenbezeichnung

 

Da muss ein Unternehmen 85 Jahre alt werden, um endlich und zukünftig mit einer offiziellen Straßenbezeichnung hoffentlich auch von Navigationssystemen gefunden zu werden. Bislang war das nicht der Fall und die ECKOLD GmbH & Co. KG im Sperrluttertal in Sankt Andreasberg lebte auch ohne eine solche. Die Post kam ja gebündelt in einer Kiste trotzdem ins Haus. Leider schafft aber eine nicht vorhandenen Straßenbezeichnung in einer digitaler werdenden Welt mit immer mehr Pflichtfeldern in Eingabemasken immer mehr Probleme.

 

Seit Ende 2021 ist das nun anders und die Betriebsstätte hat mit Bescheid vom 30.12.2021 die Straßenbezeichnung „Walter-Eckold-Straße 1 und 2“. Eine hohe Auszeichnung und Wertschätzung des 1963 verstorbenen Firmengründers, der auch in St. Andreasberg seine Spuren hinterlassen hat, aber nicht nur dort.

 

 

Wie alles begann - das Fundament

 

Walter Eckold wurde 1895 in Schwarzwald/Thüringen geboren und absolvierte später in der Nähe von Schmalkalden im Bezirk Suhl bis 1913 eine Ausbildung zum Schlosser. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird Eckold zum Militär eingezogen und landet in Kiel zur Ausbildung. Dort wird er als Werkzeugmacher dienstverpflichtet und arbeitet zwei Jahre bei der Friedrich Krupp AG, Germaniawerft Kiel-Gaarden. Aufgrund der kriegsbedingten Kooperation von Krupp und Junkers folgt 1917 der Wechsel von Kiel nach Dessau zu den Junkers-Werken.

 

 

Hugo Junkers (1859 – 1935) war Erfinder und Unternehmer mit herausragenden Erfindungen und daraus entstandenen Produkten. Anfänglich als Konstrukteur von Gasthermen bekannt, entwickelte Junkers als Hochschullehrer und Forscher, Ingenieur und Unternehmer grundlegende Neuerungen im Flugzeugbau, wie den Ganzmetallbau und die gewellte Struktur.1  

 

Eben an dieser Thematik war auch Walter Eckold beteiligt und konnte in der Bearbeitung und Verarbeitung von Blechen sein Wissen mehren und beruflich wachsen. In einem Buch über den Unternehmer „Meisterjahre – Erinnerungen an den Unternehmer Walter Eckold“, geschrieben von seinem Sohn Hartmut Eckold und 2020 in 3. Auflage veröffentlicht, beschreibt eine Passage diese Situation wie folgt:

 

 

 

Im Umfeld dieser Herausforderungen beginnt Walter Eckold seine Tätigkeit im neu entstehenden Vorrichtungsbau bei JUNKERS. Wie er selbst berichtete, stellten seine Vorgesetzten bald einmal fest, mit welchem Ideenreichtum Walter Eckold technische Fertigungsprobleme löste, und baten ihn, die Stelle eines Kontrolleurs zu übernehmen. Dies lehnte er aber ab, weil er „nicht den Mist der anderen kontrollieren wollte“, da mache er es doch gleich selbst! 2

 

Ab 1. Januar 1921 wird Walter Eckold, erst 25 Jahre alt, als Meister für die neu eingerichtete Abteilung Vorrichtungsbau eingesetzt.Nach eigenen Aussagen hat Walter Eckold einen wesentlichen, wenn nicht gar entscheidenden Anteil an der Verwirklichung verbesserter Nietverfahren, die zu neuen Patentanmeldungen durch Hugo Junkers führen.3

 

In der Folge entstehen in den Jahren bis 1933 Erfindungen von Meister Eckold wie Vorrichtungen zum Nieten, Einziehzange, Einmann-Nietzange oder Vorrichtungen zum Biegen von Wellblech. Alles relevante Entwicklungen, die den Bau von Ganzmetall-Flugzeugen weiter vorangebracht haben. Das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt war übrigens die JUNKERS F13, von der von 1919 bis 1932 320 Stück gebaut wurden und weltweite Verbreitung fanden.

 

1934, die Nationalsozialisten hatten inzwischen die politische Macht übernommen und auch den Einfluss auf die JUNKRS-Werke, wurde Walter Eckold zum Obermeister und zum Betriebsingenieur ernannt. Die gezielte Aufwertung diente womöglich dem Ziel, den Pragmatiker nicht zu verlieren, Eckold galt als unkündbar. Eine Schutzklausel im Anstellungsvertrag machte es Eckold nicht möglich, zu einem anderen Flugzeughersteller zu wechseln, so blieb ihm nur der Weg in die Selbstständigkeit.

 

Der Weg in die Selbstständigkeit

 

Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, ist wohl in den Jahren 1930 – 1935 gereift und ab 1933 immer vordringlicher geworden. Begründet ist das unter anderem in der Übernahme des JUNKERS-Konzerns durch die Nationalsozialisten und deren respektlosen und herabwürdigenden Beurteilung des Zustandes der Werke.

 

Im Oktober 1933 wurde Hugo Junkers gezwungen, 51% seiner Aktien an seiner JUNKERS Flugzeugwerke AG an den deutschen Staat zu übereigenen.4

 

Das kam faktisch einer Enteignung gleich und so schied Junkers am 25. November 1933 endgültig aus seiner Firma aus.

 

Was folgte, war, durch die neuen Machthaber initiiert, eine groß angelegte Umstrukturierung hin zu einer Serienfabrikation. Einher ging damit auch die Ausrichtung auf eine zunehmend militärische Produktion und die Politik hielt auch Einzug. Der Streit war vorprogrammiert und die Zukunft war für Walter Eckold ungewiss. Als Nichtakademiker waren ihm als Meister weitere Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt. Alle Kollegen auf seiner Hierarchie-Ebene waren 1933 Diplomingenieure, die auf alle Nichtstudierten „herabschauten“.

Die erwähnte Konkurrenzschutzklausel schränkte seinen Weg in Deutschland zu anderen Flugzeugherstellern entsprechend ein. So war spätestens im Jahre 1935 der Entschluss zur Selbstständigkeit gereift und von ihm im Unternehmen angekündigt.

 

Zum 31. März 1936 schied Walter Eckold aus dem Unternehmen aus. Nach längerer Suche nach einem geeigneten Standort für einen eigenen Betrieb wurde er in Wernigerode am Harz fündig und unterzeichnete am 27. November 1935 den Kaufvertrag für Betriebsgrundstück mit Gebäude und Transformatoranlage. Diese stammen vom Wagenfabrikanten Heinrich Seelecke, der kurz zuvor in Konkurs gegangen war.

 

Am 1. April 1936 gründet Walter Eckold als Einzelkaufmann die Firma Walter ECKOLD, Vorrichtungs- und Lehrenbau, Wernigerode am Harz, Feldstraße 5. Grundstück und Gebäude mussten zunächst für die geplanten Arbeiten hergerichtet und eingerichtet werden. Noch im selben Jahr folgten die ersten Mitarbeiter aus Dessau im Vertrauen auf seine Fähigkeiten und übernahmen in den neuen Räumlichkeiten grundlegende Arbeiten zum Umbau der Gegebenheiten, wie zum Beispiel die elektrischen Werksanlagen.

 

 

Das junge Unternehmen in Wernigerode entwickelte sich offenbar gut und florierte bald. Zwei unternehmerische Absichten von Walter Eckold in den Jahren 1936 bis zum Kriegsausbruch 1939 sind auch heute noch nachvollziehbar: Einerseits im vertrauten Bereich des Vorrichtungs- und Lehrenbaus für die (auch rüstungsbedingt) expandierende Flugzeugindustrie in Deutschland tätig zu sein und andererseits durch eigene Ideen und Entwicklungen Marktchancen in zivilen Bereichen zu nutzen, damit sich das Unternehmen auf mehrere sichere Standbeine abstützen konnte.5

 

Der Vorrichtungs- und Lehrenbau von Walter Eckold arbeitete nicht nur für JUNKERS, sondern auch für andere Flugzeughersteller in Deutschland.6 In den zwei Jahren seit Gründung wurde eine funktionierende Fertigung mit der nötigen Infrastruktur aufgebaut. Nebenher wurde saniert und umgebaut und eine Lehrlingswerkstatt eingerichtet, um den Fachkräftemangel mittelfristig zu entschärfen.7

 

Der Aufbau eines zivilen Fertigungsbereichs ist sicher auch begründet durch eine Krise in der deutschen Flugzeugbauindustrie, beginnend Mitte 1937, und hatte massive Entlassungen zur Folge. So fiel die Ausschau nach möglichen Produkten auf die Herstellung von Fördergeräten.

 

In den Dreißigerjahren sind Traktoren oder Trecker, wie sie damals im Volksmund hiessen, noch wenig oder gar nicht in der Landwirtschaft anzutreffen. Ähnlich ist die Situation in der Bauwirtschaft - es gibt noch wenig Schaufelbagger, wie wir sie heute kennen. Handarbeit, Schubkarren und Kipploren auf Feldbahngleisen beherrschen die Baustellen. Was lag also näher, als mit geeigneten Fördergeräten Höhendifferenzen und längere Strecken zu überwinden? 8

 

 

 

Auch schon 1937 wurden kreative Marketing-Ideen verwirklicht, obwohl Begriffe wie Marketing oder Öffentlichkeitsarbeit wohl eher noch unbekannt waren. In Berlin-Tempelhof wurde ein Höhenförderer für Fluggepäck bei Filmaufnahmen werbewirksam eingesetzt.

 

Von der Stauchzange zur Stauchmaschine

 

Aber auch auf dem Gebiet der Blechumformung blieb Walter Eckold in den Jahren 1936 – 1939 nicht untätig.9

 

Es begann mit einer Stauchzange sowie dem Prinzip des Stauchens von Blechen und Profilen, welche er selbst ohne Zweifel erfunden hatte. Die erste Konstruktion wurde 1924 in Dessau von Prof. Dr.-Ing. e.h. Hugo Junkers zum Patent angemeldet. Es war zur damaligen Zeit nicht unüblich, dass solche Erfindungen von Unternehmern und deren Inhabern zum Patent angemeldet wurden, obwohl der eigentliche Erfinder ein Angestellter war. Mit der Forschungsanstalt JUNKERS in Dessau, jener Institution, die alle Erfindungen und Patente für Professor Junkers anmeldete, verwaltete und lizensierte, konnte Eckold jedoch erfolgreich verhandeln und stellt nun seine eigene Erfindung in Lizenz her. Darüber hinaus hat sich Walter Eckold auch mit der Neukonstruktion einer stationären Stauchmaschine befasst, die er am 20. September 1941 zum Patent anmeldete.

 

 

 

 

 

Im Jahr 1938 folgte der Kauf eines Fabrikgeländes in Seehausen. Es handelte sich um das Werk der Gebrüder Welger Kommanditgesellschaft aus Wolfenbüttel. Die Absicht dahinter war, den sich andeutenden Platzmangel und Facharbeitermangel in Wernigerode aufzufangen. Die wirklichen Beweggründe sind nicht eindeutig überliefert. Jedoch lässt sich aus Geschäftsbriefen entnehmen, dass die avisierte Zweckbestimmung die Herstellung von Fördergeräten und Landmaschinen in Leichtbaukonstruktion war.

 

 

 

Der Vorrichtungs- und Lehrenbau nimmt immer mehr Raum ein. In Wernigerode entstehen Erweiterungsbauten, das Unternehmen wächst wie auch der Platzbedarf und die Mitarbeiterzahl. Flugzeugbauer platzieren bei Eckold Aufträge zum Bau von Vorrichtungen und Lehren nach deren Vorgaben. Jedoch zur Projektierung der Flugzeugtypen mussten diese erst noch konstruiert und detailliert werden, um sie später in die Fertigungsabläufe zu integrieren. Je pfiffiger also die Lösungen, um so größer die Wahrscheinlichkeit, weitere Bestellungen zu erhalten.

 

 

Der zweite Weltkrieg

 

Was sich nach der Betriebsgründung 1936 schon bald abzeichnete, nämlich die Herstellung von Vorrichtungen und Lehren für den deutschen Flugzeugbau, nahm in den Vorkriegsjahren immer mehr zu.10 So zählten wenig später fast alle deutschen Flugzeughersteller zum Kundenkreis. Die Herstellung von zivilen Produkten, vornehmlich mobile Höhen- und Langstreckenförderer für die Bauindustrie und die Landwirtschaft, wurde langsam verdrängt.11

 

Der Druck durch Forderungen der Rüstungsindustrie und der zentral durch die NSDAP gelenkten Rahmenbedingungen nahmen zu.

Aber Walter Eckold war nicht glücklich mit der Situation, in der er auch seine politische Heimat verlor. Seit 1915 war er eingetragenes Mitglied der SPD, die ja bekanntermaßen 1933 verboten wurde, so dass er sich fortan unpolitisch verhalten hat. Jedoch war auch den Nationalsozialisten die Bedeutung des Betriebes nicht entgangen und Eckold musste unter Zwang Ende 1942 der NSDAP beitreten, ohne jedoch Funktionen in der Partei zu übernehmen. In den beiden Betrieben in Wernigerode und Seehausen wurden mittlerweile etwa 800 Personen beschäftigt. Es kam jedoch noch schlimmer und Walter Eckold wird Ende 1943 als erfolgreicher Betriebsleiter dienstverpflichtet.

 

Seine Aufgabe: Fertigungskapazitäten für Vorrichtungen und Lehren für einen neuen Panzertyp im so genannten „Protektorat Böhmen und Mähren“ zu suchen und zu koordinieren.12

 

Damit musste er gezwungenermaßen seine Verpflichtungen als Kopf seiner Unternehmen vernachlässigen und brachte viel seiner Zeit im tschechischen Prag zu. Da das Vorhaben jedoch von höherer Stelle eingestellt wurde, kehrte Eckold Mitte Februar 1945 zurück. Mit Besetzung der Stadt Wernigerode am 12. April 1945 durch die Amerikaner endete das Martyrium durch die Nationalsozialisten.

 

Enteignung und Flucht

 

Mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 war für Walter Eckold, seine Familie und sein Unternehmen nicht automatisch alles wieder gut. Nach wenigen Wochen kommen die Engländer als Besatzungsmacht und beschlagnahmen u. a. das Wohnhaus der Familie für deren Offiziere. Walter Eckold wird unter Hausarrest gestellt, also im Werk selbst, wo er sich sofort mit seine Mitarbeitern Gedanken macht, mit welchen Produkten und Waren er nun weiter machen könnte. Die Produktion wird auf zivile Produkte, sogenannte „Mangelwaren“ umgestellt. Sparherde, Küchenherde, Kartoffelroder, Autoreparaturen und Reparaturen an Landmaschinen sind nur ein Teil der Produkte und Projekte.

 

Die Situation verändert sich abermals mit dem Erscheinen der sowjetischen Besatzungstruppen am 1. Juli 1945. Mit der Übernahme durch die Sowjetische Militär-Administration in Deutschland (SMAD) gehen auch einher die Befehle zur Beschlagnahme und zur provisorischen Übernahme einiger Eigentumskategorien. Zunächst kann durch die Fürsprache diverser Behörden und Institutionen sowie zahlreichen Eingaben privater Personen und Belegschaftsmitglieder glaubhaft versichert werden, dass Walter Eckold im antifaschistischen Sinne seine Betriebe geleitet hat. So wird später seiner Einsprache gegen die Beschlagnahme seiner Betriebe in Seehausen und Wernigerode stattgegeben und im September 1946 beurkundet, dass er das volle Verfügungsrecht über sein Vermögen und seine Betriebe zurückerhält.

 

Nun gilt das Unternehmen also als Herdfabrik und die Russen machen sich die Fähigkeiten und Fertigungsmöglichkeiten zu Nutze, in dem sie beispielsweise Musterkoffer herstellen lassen, die Instruktionsmaterial für russische Rekruten enthalten.

 

Inzwischen haben die Russen in der ehemaligen BMW-Außenstelle in Stassfurt die fortgeschrittenen Fertigungsvorbereitungen für Düsentriebwerke entdeckt und erzwingen eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, diese Triebwerke schnellstens zu optimieren und natürlich schlussendlich in der Sowjetunion herzustellen. Walter Eckold erhält 1946 von den Sowjets den Auftrag zur Herstellung von Vorrichtungen und Lehren für eben jene erwähnten Triebwerke von BMW.

 

Die Aufträge der Sowjets führen dazu, dass sich die Russen vermehrt mit Walter Eckold und seinem Werk in Wernigerode befassen.13

 

Prompt erfolgt Ende 1946 die Entscheidung, das Werk Wernigerode zu demontieren. Es folgt die zweite, nun definitive Enteignung. Im März 1948 erscheint eine Delegation treuer Kommunisten im Werk Wernigerode und verkündet die Sequestrierung und Beschlagnahme aller Unterlagen im Namen des Kreisrats. Diese zweite Enteignung ohne jegliche Entschädigung des Eigentümers hatte den einzigen Zweck, die Fabriken in das Volksvermögen zu überführen.

 

 

Walter Eckold erfuhr von einem angefreundeten Weißrussen aus dem Stab der Sowjets, dass diese die verbliebenen deutschen Flugzeugbauer und deren Zulieferer in Kürze einsammeln und in die Sowjetunion mitnehmen wollten. Er war es gewohnt, unternehmerische Entscheidungen zu treffen, doch diese wog schwer, da er zunächst seine Familie zurücklassen musste. Im April 1948 überquert Walter Eckold die „Zonengrenze“ nördlich von Vienenburg. Seine Frau Hildegard und die Kinder Gerd-Jürgen (20-jährig) sowie Hartmut (12-jährig) folgen ihrem Vater am 9. August 1948 mit entsprechender Hilfe durch Hausarzt und Sanitätsrat Dr. Braulke aus Wernigerode und Familie Kahlert. In der Nacht vom 8. Auf den 9. August überqueren sie die Grenze nach Eckertal bei Ilsenburg.

 

Alles von vorn - aus dem Nichts

 

Kurz nach seiner Flucht aus der sowjetischen Besatzungszone plante Walter Eckold bereits im Mai des Jahres 1948, wieder eine Firma zu gründen. Er findet in Sankt Andreasberg, Ortsteil Sperrluttertal im Oberharz eine stillgelegte Munitionsfabrik des HOESCH-Konzerns, die gerade von den Engländern demontiert wird. Dort richtete er mit einigen wenigen, teilweise beschädigten und ausrangierten Werkzeugmaschinen eine primitive, kleine Werkstatt ein. Kleine Lohnaufträge halten ihn und seine Familie über Wasser. Am 1. August 1948 wurde die Firma Walter Eckold, Vorrichtungs- und Gerätebau St. Andreasberg-Sperrluttertal gegründet. Die Eintragung im Handelsregister folgte am 20. September 1949 unter HRA 607 beim Amtsgericht in Clausthal-Zellerfeld.

 

 

Als sich Walter Eckold 1948 mit seinem alten Freund Wilhelm Haasemann (ehemalige Handelsfirma Haasemann & Lorenz aus Wolfenbüttel) trifft, bleibt ihm keine andere Wahl, als das Angebot für die Herstellung von Traktoren dankbar anzunehmen. Ziel war es, im Januar 1949 einen ersten Musterschlepper mit Namen WOTRAK fertiggestellt zu haben. Die erste Vereinbarung zwischen der Wolfenbütteler Traktoren GmbH und Eckold sieht vor, dass WOTRAK die Beschaffung der Einzelteile übernimmt. Eckold ist für die Herstellung der Karosserieteile wie Motor- und Kühlerverkleidung, Treibstofftank, Kotflügel, Wetterdach und die gesamte Montage der Trecker verantwortlich. Das Problem bei der Herstellung der Blechteile ist das Umformen und am Ende eine gefällige Form zu erreichen. Die benötigte Stauchmaschine zum Stauchen und Strecken der Bleche und Profile kauft Eckold von einem seiner Kunden zurück. Diese hatte Eckold zu Kriegszeiten hergestellt und nach Soest verkauft. Mit diesem Maschinenkauf beginnt aber auch die fulminante Entwicklung der Nachfolgegeneration dieser Stauchmaschinen, die später Kraftformer genannt werden und den nachhaltigen Geschäftserfolg von Eckold bis heute ausmachen. Die ersten beiden Mitarbeiter aus dieser Zeit waren Herr Kurt Haas ab ca. Juni 1948 und ab Januar 1949 Herr Alfred Kahlert zunächst aus Stapelburg (DDR), dann aus St. Andreasberg.

 

 

1949 - WOTRAK Traktorenproduktion

 

Im Frühjahr 1949 kommt die Traktoren-Fertigung mit zunächst drei Facharbeitern langsam in Gang. Walter Eckold wird dritter Gesellschafter der Wolfenbütteler Traktoren GmbH und Geschäftsführer.

 

 

Aber es bereiten die Vorfinanzierung und die Kontingentierung von Rohmaterial große Schwierigkeiten. Bereits im Sommer des Jahres beschließen die Gesellschafter „die stille Liquidation“ der WOTRAK auf Grund der prekären finanziellen Lage, womit auch der Vertrieb ins Stocken gerät. Ab 1. Oktober 1949 verkauft Walter Eckold die WOTRAK-Traktoren selbst und gibt ihnen den Namen „OBERHARZ“.

 

Die Traktorenfertigung wird im ersten Halbjahr 1950 wegen zu hoher Vorlaufinvestitionen und zu geringer Fertigungstiefe eingestellt. Über 40 Traktoren wurden gebaut und verkauft. Es gab keine Beanstandungen und die Reserve an Ersatzteilen blieb unberührt.

 

1950 - Der erste Kraftformer

 

Ab 1950 begann dann die Produktion von Maschinen und Geräten zur spanlosen Kaltverformung von Blechen und Profilen. Patente waren angemeldet. Die erste Maschine wurde an eine Firma Jungbluth (Karosserie- und Fahrzeugbau) in Bad Lauterberg-Odertal geliefert. Diese Maschine galt als Versuchsmaschine und war daher auch an eine Firma geliefert worden, die in unmittelbarer Nähe ansässig war. Die erste reguläre Maschine ging am 18.03.1950 an Fa. Waldemar Wunderlich in Braunschweig. Parallel zur Fertigung von Maschinen mit elektrischem Antrieb lief die Herstellung von Geräten mit Handbetrieb. Im Jahr 1950 wurden bereits 53 Stück „Eckold-Handformer“ verkauft.

 

Die finanzielle Situation war noch immer angespannt. Erst ein am Anfang des Jahres 1952 abgeschlossener Lizenzvertrag mit der Firma Fokker, Niederlande und außerdem ein günstiges Darlehen von dieser Firma brachte Entspannung.

 

 

 

 

 

1957 - Gründung der ECKOLD AG Chur/CH

 

Am 1. Oktober 1957 wurde die Firma W. Eckold AG in Chur/Schweiz gegründet. Diese Firma stand zunächst unter der Geschäftsleitung von Gerd-Jürgen Eckold - ab 1966 wurde sie von seinem Bruder Hartmut Eckold geführt. Sie hatte die Aufgabe, den Vertrieb der Erzeugnisse vorerst in den Ländern Italien, Jugoslawien, Schweiz und Österreich zu übernehmen. In der Folge baute die Eckold AG - inzwischen am neuen Standort in Trimmis - das Exportgeschäft der Eckold Maschinen in über 100 Länder auf. Seit 1970 fertigt die Eckold AG die kleineren Umformmaschinen wie den Piccolo-Kraftformer und den weltbekannten Handformer. Neben dem Maschinenbau ist die Eckold AG heute mit 50 Mitarbeitenden ein namhafter und anerkannter Lohnfertiger für verschiedene Schweizer Maschinenbauer und führender Händler für Nutzfahrzeugkomponenten in der Schweiz.

 

 

1958 - Autodienst Silberhütte

 

Mit dem Kauf des Werkes Silberhütte in St. Andreasberg wird Walter Eckold 1958 Besitzer einer in die Jahre gekommenen SHELL-Tankstelle aus dem Jahre 1948. Im Jahr 1961 folgt eine Modernisierung, zeitgleich erhält die Unternehmung die Anerkennung als OPEL-Dienststelle. Der AUTODIENST SILBERHÜTTE bringt jedoch nicht den gewünschten Erfolg und die Werkstatt wird 1972 wieder geschlossen.

 

 

1962 - Wechsel der Geschäftsführung

 

Aus gesundheitlichen Gründen entschloss sich Walter Eckold im Februar 1962, die Geschäftsführung der Firma in die Hände seiner Söhne Gerd-Jürgen und Hartmut Eckold zu geben. Er selbst wollte sich nur noch der Weiterentwicklung seiner Maschinen widmen.

 

Walter Eckold verstirbt am 13. Januar 1963 unter großer Anteilnahme. Seit dieser Zeit führten die Herren Gerd-Jürgen Eckold und Hartmut Eckold das Unternehmen durch viele schwierige Zeiten bis zu ihrem jeweiligen Ausscheiden aus dem Unternehmen.

 

 

Nach über 85 Jahren kein bisschen müde

 

Der Name ECKOLD steht für hochwertige Produkte und guten Service. Als Wegbereiter der innovativen Clinchtechnologie zum Fügen von Blechen und Profilen verfügen wir über einen unvergleichlichen Schatz an Erfahrung auf dem Gebiet der Kaltumformung. In der blechverarbeitenden Industrie sind wir mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung als Problemlöser bekannt und mittlerweile weltweit tätig. Für unsere Kunden aus der Automobilindustrie, dem Flugzeugbau, dem Schiffs- und Waggonbau sowie der gesamten blechverarbeitenden Industrie konstruieren und fertigen wir als Maschinenbauunternehmen Werkzeuge, Maschinen und Anlagen zum Umformen, Fügen und Stanzen von Blechen und Profilen.

 

So wie die Welt sich weiterdreht, entwickeln sich Technik, Fortschritt und auch unser Unternehmen. Schlagworte wie Globalisierung, Digitalisierung, Mobilität und Flexibilität begegnen uns jeden Tag. Das Unternehmen ECKOLD ist seit mehr als 85 Jahren erfolgreich und liefert weltweit in mehr als 100 Länder seine Produkte.

 

Unser Unternehmen hat seit seiner Gründung stets auf die Bedürfnisse des Marktes reagiert. Wir haben uns immer wieder in neue Richtungen entwickelt uns den Herausforderungen neuer Technologien gestellt. Der Erfindergeist zeichnet ECKOLD bis heute aus. Der gute Name ECKOLD steht für innovative Produkte, Eigenentwicklungen und neue Ideen rund um das Clinchen, Stanzen, Stanznieten und Umformen von Blechen und Profilen.

 

Die breite Produktpalette von ECKOLD reicht von mobilen und stationären Standard-Geräten über robotergeführte Maschinen bis zu kundenspezifischen Sonderlösungen in Form von teilautomatisierten Anlagen, auch für knifflige Aufgabenstellungen. Dabei ist das Unternehmen oft wesentlich an der Herstellung innovativer Produkte beteiligt. Vom Oldtimer bis zur Weltraumrakete erfahren Bleche mit ECKOLD-Produkten die richtige Behandlung. In aller Welt vertrauen namhafte Kunden aus allen Branchen der Metallverarbeitung den innovativen Lösungen von ECKOLD aus St. Andreasberg – auch für ausgefallene Probleme.

 

Der Werkstoff Blech ist unser Leben!

 

 

 

Diese Zusammenfassung der Unternehmensgeschichte ist sicher nicht vollständig, soll jedoch in wesentlichen Zügen die Unternehmensentstehung und das Wirken von Walter Eckold beschreiben. Aufgrund der mittlerweile über 40-jährigen Betriebszugehörigkeit des Autors Günter Dingfeld (seit September 1980) und seiner Tätigkeit in Dokumentation, Werbung, Marketing seit 1992, kann dieser aus vielen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen der jüngeren Unternehmenshistorie berichten.

 

Die Beschreibungen der Entwicklung und Firmengründung sowie der Ereignisse um die Person Walter Eckold basieren im Wesentlichen auf dem Buch von Hartmut Eckold, Meisterjahre – Erinnerungen an den Unternehmer Walter Eckold.

 

 

Quellen

 

Eckold, Hartmut

Meisterjahre – Erinnerungen an den Unternehmer Walter Eckold

3. erweiterte und überarbeitete Auflage 2020
Eigenverlag Hartmut Eckold, UsserCunclis 4, Ch-7023 Haldenstein/Schweiz

ISBN 978-3-033-08287-8

 

2      Seite 15

3      Seite 18

4      Seite 34

5      Seite 63

6      Seite 65

7      Seite 66

8      Seite 70

9      Seite 86

10    Seite 149

11    Seite 149

12    Seite 160

13    Seite 191

 

Wikipedia

 

1   de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Junkers

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